Neanderkirche

Neanderkirche
Neanderkirche

Wissenswertes zur Neanderkirche
Die Neanderkirche wurde nach dem Liederdichter Joachim Neander benannt. Seit Oktober 2004 beteiligt sich unsere Kirchengemeinde an der von der Evangelischen Kirche Deutschlands angestoßenen Aktion, die Kirchen auch außerhalb der Gottesdienste zu öffnen. So ist unsere Neanderkirche täglich von 10 bis 16 Uhr (oft auch länger) geöffnet. Ein Tisch mit Hilfen für die persönliche Meditation, ein Gäste- und Gebetbuch sowie kostenlose Broschüren zum Mitnehmen stehen bereit.

Sie sind eingeladen die Kirche als einen festen Ort der Stille, der Einkehr und des Zwiegespräches mit Gott zu entdecken. Die zahlreichen Eintragungen im Gäste- und Gebetbuch zeigen, dass schon viele Menschen dieses Angebot nutzen. Die besondere Atmosphäre des Kirchraumes hilft, zur Ruhe zu kommen und die Seele für einige Augenblicke baumeln zu lassen. Gönnen Sie sich öfter solche Auszeiten und machen auch Sie von dem Angebot der „offenen Kirche“ Gebrauch.

Gottesdienste in der Neanderkirche

Joachim Neander - Der Mann dessen Name unsere Kirche trägt

von Wilma Klevinghaus

Joachim Neander (1650 - 1680)
Joachim Neander (1650 – 1680)

Die Zeit, in die Joachim Neander 1650 hineingeboren wurde, war für die deutsche evangelische Kirche eine Zeit der Unruhe und des Aufbruchs. Das Prinzip Cujus Regio cujus religio (wie der Regent, so die Religion)galt nicht mehr uneingeschränkt. Auch Gemeinden, die bisher nur im Untergrund gelebt hatten, durften nun unbehelligt, wenn auch mit Einschränkungen, Gottesdienste feiern und Kirchen erbauen. In den vorhergehenden Zeiten mit oft ganz massiver Verfolgung war um der Selbsterhaltung der Gemeinden willen viel kirchliches Leben erstarrt.Zwischen Reformierten und Lutheranern gab es kaum Gemeinsamkeiten;man mißtraute sich gegenseitig und schirmte sich ängstlich voreinander ab. Auf die Wahrung der Tradition legte man größten Wert. Vor allem die Reformierten betrachteten Ordnung und Kirchenzucht als unverzichtbare Kräfte zum Erhalt der reinen Lehre.

Doch fehlte es andererseits nicht an Menschen, die sich um innere Erneuerung bemühten. In Frankfurt a.M. begründete Philipp Jakob Spener den Pietismus, dessen Hauptanliegen die Herzensfrörnrnigkeit des einzelnen Christen war. In ähnlicher Weise wirkte im reformierten Bremen Theodor Undereyk, der durch sein Glaubensleben und seine Persönlichkeit auch den jungen Joachim Neander sehr stark beeinflußte, so daß eine lebenslange Freundschaft zwischen den beiden Theologen entstand. Unter dem Einfluß des Pietismus begannen Lutheraner und Reformierte sich ihrer Gemeinsamkeiten bewußt zu werden und sich innerlich einander anzunähern. Sowohl Undereyk als auch Spener sammelten Gleichgesinnte um sich, die sich in kleinen Gruppen, den Konventikeln, zu intensivem Bibelstudium trafen und aus diesen usammenkünften Hilfe und Anregung für ein vom Willen Gottes und der biblischen Botschaft geleitetes Leben empfingen.

Zugleich wirkten von Frankreich her die Labadisten, eine Bewegung, die auf den ehemaligen Jesuiten Labadier zurückging und in Zielen und Wirkungsweise weit über das Anliegen der Pietisten hinausschoß, indem die Erweckten sich streng von der Masse der Gläubigen absonderten und keine Unentschlossenen, Zweifler und Sucher in ihren Reihen duldeten, so daß sie sich schließlich völlig von der öffentlichen Gemeinde abspalteten: In diesen Zwiespalt wurde auch Joachim Neander hineingezogen.

Nach dem Tod des Vates begann er mit erst 16 Jahren das Studium der Theologie in seiner Heimatstadt Bremen, das er Ende 1670 oder Anfang 1671 abschloß. Es war damals allgemein üblich, daß junge Theologen während der Wartezeit auf die Berufung in ein Pfarramt einige Jahre als Lehrer oder Erzieher tätig waren. So betreute auch Neander zunächst die Söhne einiger reformierter Kaufleute aus Frankfurt bei ihren Studien in Heidelberg und war danach noch ein halbes Jahr als Kandidat des Predigtamtes in Frankfurt tätig. In dieser Zeit lernte er sowohl Spener kennen als auch den Juristen Johann Jakob Schütz, den Dichter des Liedes „Sei Lob und Ehr dem höchsten Gut“, mit dem ihn die gemeinsame Liebe zum geistlichen Lied verband. Vermutlich sind bereits dort einige seiner eigenen Lieder entstanden. Jedenfalls muß er bereits einen guten Ruf in kirchlichen Kreisen genossen haben; denn 1664 berief die reformierte Gemeinde in Düsseldorf den erst 23-Jährigen als Rektor an ihre Lateinschule, eine problematische Entscheidung, wie sich bald zeigte. Viele orthodoxe Reformierte empfanden den Pietismus als Bedrohung und verdächtigten seine Anhänger des versteckten Labadismus. Als Neander 1676 während einer Ruhrepidemie sich außer seiner Schule auch den Gemeindegliedern zuwandte und sich danach mit einigen von ihnen in privaten Erbauungsstunden traf, kam es zum lange dauernden Konflikt mit der Gemeindeleitung. Man warf seinen Konventikeln spalterische Tendenzen vor. Selbst sein Freund Undereyk erkannte bei Neander einen gewissen Hang zum Elitären, den er mit der Nachfolge Jesu als nicht vereinbar hielt, was Neander schließlich auch einsah. Er unterwarf sich der Gemeindedisziplin; aber die Atmosphäre blieb doch zumindest gespannt. So nahm er 1679 einen Ruf als Hilfsprediger an St. Martini in Bremen, wo auch Undereyk wirkte, an. Aber bereits 1680 verstarb er mit erst 30 Jahren an einer sehr schweren Krankheit, möglicherweise an der Pest. Die für Neander persönlich sehr schwierige Zeit in Düsseldorf bescherte der evangelischen Kirche aber einige ihrer liebsten Lieder. Viele davon entstanden in der wildromantischen Felsenregion des Gesteins zwischen Düsseldorf und Elberfeld oder wurden dort wenigstens zuerst gesungen. In der außerhalb der Stadtgrenzen Düsseldorfs gelegenen schwer zugänglichen Gegend mit ihren zahlreichen Kalksteinhöhlen versammelte er sich heimlich mit Gleichgesinnten aus der Umgebung. Eine dieser Höhlen trug bei Eingeweihten seinen Namen, ebenso ein Stein, der nach der reformierten Bezeichnung der Kanzel als Predigtstuhl Neanderstuhl hieß.

Neanders Lieder leiteten eine Reform des reformierten Liedguts ein. Bis dahin sang man dort nur (gereimte) Psalmen. Auch Neander schrieb seine Lieder in Anlehnung an die Psalmen; doch benutzte er die auch in der weltlichen Dichtung gebrauchten Versformen. Fast charakteristisch für ihn ist der im Barock übliche Wechsel von langen und kurzen Zeilen, der in vielen seiner Lieder festzustellen ist, vor allem bei seinem bekanntesten Text „Lobe den Herren, den mächtigen König der Ehren“. Doch wurden sei_ne Lieder bald über den Kreis der Reformierten hinaus bekannt. Möglicherweise wurden die ersten bereits in Speners Konventikeln in Frankfurt gesungen. Die Felsen, die Neanders Namen trugen, der über hundert Jahre später auf das ganze Tal überging, sind heute nicht mehr zugänglich. Sie fielen wie fast alle im Tal dem Kalkabbau in der zweiten Hä1fte!des 19. Jahrhunderts zum Opfer. Manche seiner Lieder, die allzusehr:t1:em Zeitgeschmack des Barock entsprachen, sind heute vergessen. Andere aber leben und klingen noch immer, vor allem das in zahlreiche Sprachen übersetzte und in aller Welt bekannte „Lobe den Herren“ . Außer diesem stehen in unserem Gesangbuch noch „Wunderbarer König“ (Nr. 235), dessen Melodie ebenfalls von Neander stammt, „Der Tag ist hin“ (Nr. 365), „Himmel, Erde, Luft und Meer“ (Nr. 496) und „Sieh, hier bin ich, Ehrenkönig“ (Nr. 516).

Geschichte der Neanderkirche

von Lothar Eulner
Bevor die Kirche am 23. Juli 1905 eingeweiht werden konnte, mußten die evangelischen Einwohner immer einen langen Fußmarsch nach Erkrath unternehmen, um dort an dem Gottesdienst teilnehmen zu können. Deshalb ist es auch sehr verständlich, daß die evangelische Bevölkerung schon lange den Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus hatte. Aber erst im Jahre 1899 begann dieser Gedanke greifbare Formen anzunehmen. Herr Adolf Boeddinghaus, ein Textilfabrikant aus Elberfeld und ansässig in der Villa „Neanderhöhe“ am Feldhof, hatte sehr bald den Plan zum Bau einer eigenen Kirche in Hochdahl gefaßt. Am 13. Juli 1899 hatte er zehn angesehene und ortseingesessene Männer aus den Honschaften Millrath und Bruchhausen zu einer Versammlung eingeladen zwecks Gründung eines „Evangelischen- Kirchenbau-Vereins“. Die Namen dieser 10 Männer waren: Der Weinhändler Albert Bachmann, der Bahnhofsvorsteher Rudolf Becker, der Gastwirt Hermann Bünger, der Direktor der Hochdahler Eisenhütte Wilhelm Klees, der Postverwalter August Pohl, der Gutsbesitzer Karl Spiecker, der Kaufmann Gustav Steineshoff, der Ingenieur Adolf Wagner,der Gutsbesitzer Julius Wirtz und der Arzt und Forscher der Medizingeschichte Dr. Karl Sudhoff. Bei dieser Versammlung unterrichtete er die Geladenen von dem Ankauf eines geeigneten Grundstückes und von der Absicht, dieses Grundstück der evangelischen Gemeinde zum Bau eines Gotteshauses zu schenken. Nach weiteren Beratungen konnten dann am 07. Januar 1900 die Gedanken in die Tat umgesetzt werden. Schon an diesem Gründungstag zählte man 53 Mitglieder, unter denen sich weitere vermögende Gönner und Freunde dieses Kirchbaugedankens befanden, die ein Anfangskapital von 8000 Mark stifteten. Inzwischen war auch das Baugrundstück als Schenkung an den Verein übergegangen. Die Wahl des Standortes der neuen Kirche war nicht unumstritten, doch entschied der Kirchbauverein in seiner Sitzung am 26. Oktober 1902 mit 33 gegen 2 Stimmen, die Kirche auf dem gestifteten Grundstück zu errichten. Schon bald war die Mitgliederzahl auf 90 gestiegen.

Innenausbau 1954
Innenansicht vor dem Umbau

Durch Erhebung von Mitgliederbeiträgen, Verkauf von Sammelkarten und Weihnachtsverlosungen wurde bis zum 1. Januar 1903 ein Kapital von 11.212,95 Mark erreicht. Die Vorbereitungen zum Bau der Kirche konnten nun beginnen. Aus zahlreichen vorgelegten Plänen wählte man den des Regierungsbaumeisters Heinrich Plange aus Elberfeld, der auch die Boeddinghaus Villa „Neanderhöhe“ gebaut hat. Doch dessen Plan übertraf die Vorstellungen des Kirchenbauvereins in Form und Größe, und man erkannte gleich, daß man die Kirche nur mit weitaus größeren Mitteln würde bauen können. Eine weitere Spende von Adolf Boeddinghaus ermöglichte es dann, mit dem Bau sofort zu beginnen. Am 26. Juli 1903 war es dann soweit. Auf festlich geschmücktem Platz versammelten sich das Presbyterium, Vorstand und Mitglieder des „Evangelischen-Kirchenbau-Vereins“ sowie Freunde und Gönner zur feierlichen Grundsteinlegung, die von Superintendent Bleier, Pfarrer der Gemeinde Erkrath, vorgenommen wurde. Fast genau zwei Jahre später, am 23. Juli 1905, folgte dann die Einweihung. Doch um die Kirche völlig auszugestalten, reichten die Mittel des Kirchenbauvereins wieder nicht aus, hatte doch die Fertigstellung der Kirche bisher schon 45.000 Mark gekostet.

Abermals war es Herr Adolf Boeddinghaus, der durch eine größere Summe die endgültige Ausgestaltung ermöglichte und zusätzlich noch die beiden Glocken stiftete, die seit über 90 Jahren mit ihren Klängen in „fis“ und „a“ zum Gottesdienst rufen. Es sind einfache Gußstahlglocken des “ Bochumer-Vereins“, die aber beide Weltkriege überstanden haben. Die Inschrift auf der kleineren Glocke mit dem Wort „Wachet“ verweist auf den Vers 13 aus 1.Korinther 16, während die Inschrift „Unbeweglich im Herrn“ auf der größeren Glocke auf den Vers 58 aus 1.Korinther 15 verweist. Zusätzlich sind noch die Namen des Vorstandes vom Kirchenbauverein vermerkt, und zwar: Wilhelm Klees, Adolf Boeddinghaus, Karl Sudhoff, Max Klees, August Pohl, Gustav Overberg und Hermann Bünger.

Innenausbau 1954
Altarraum nach dem Umbau

Die Abendmahlsgeräte stiftete die Ehefrau von Adolf Boeddinghaus, Frau Mathilde geb. Wülfing. Die bunten Kirchenfenster waren ein Geschenk der Familie des Hüttendirektors Wilhelm Klees. Der Lichtschein durch die bunten Fenster brachte Leben in das schlichte Weiß und Grau der Innenwände. Auf Wunsch der Stifter und Gründer erhielt die Kirche den Namen „Neanderkirche“, zum Gedenken an den Prediger und Kirchenlieder-Dichter Joachim Neander. Zwischen jungem Grün ragte die Neanderkirche mit rotem Ziegelgedach und grauem Kalkstein-Mauerwerk empor. Inzwischen haben sich die kleinen jungen Bäumchen im Hintergrund zu einem mächtigen Mischwald von Buchen und Eichen entwickelt. Auf dem Grundstück westlich vor der Kirche wurde im Jahre 1955 das neue Pfarrhaus gebaut, und zur gleichen Zeit erhielt das alte Gemeindehaus einen Anbau als Jugend- und Vereinsheim. An der Kirche selbst sind die ersten 50 Jahre auch nicht spurlos vorübergegangen. Äußere Schäden mußten behoben werden, Instandsetzungs- und Umbauarbeiten im Innern ergaben ein stark verändertes Erscheinungsbild. So erhielt die Kirche eine Empore, die etwa 50 Sitzplätze zusätzlich anbietet und auch die 1908 im Altarraum eingebaute Orgel aufgenommen hat. Hinter dem Altar steht jetzt ein hohes, einfaches Holzkreuz. Die gewölbte Decke im Altarraum war bis 1954 als bläulicher Himmel mit goldfarbigen Sternen dargestellt, der als Abschluß eine jugendstilhafte Ornamentik trug. Das gesamte Kircheninnere, Decken und Wände wurden in einem Elfenbeinton gestrichen; der ursprüngliche große Kronleuchter durch neue Beleuchtungskörper ersetzt. Dabei ist noch zu vermerken, daß die erste elektrische Beleuchtung erst zehn Jahre nach der Einweihung installiert wurde. Die Warmluftheizung von 1927 wurde ebenfalls im Zuge der Umbau- und Renovierungsmaßnahmen durch eine vollautomatische Ölfeuerung ersetzt. Eine große Erleichterung brachte zur gleichen Zeit die Mechanisierung des Läutewerks. Auch der 1922 eingerichtete evangelische Friedhof gleich hinter der Kirche hat inzwischen andere Formen angenommen. Während er anfangs nur bis zu dem Gedenkstein reichte, hat er durch den Anschluß der städtischen Grabfelder seine Ausmaße mehr als verdreifacht. Gepflegt wird er von dem Friedhofsgärtnermeister Volker Kuhleber, dessen Familie auch schon in der zweiten Generation das Küsteramt ausübt.

Mit der Errichtung einer eigenen Kirche hatten die evangelischen Bürger von Hochdahl, Millrath und Bruchhausen aber noch keine eigene Kirchengemeinde. Zwei Jahrzehnte nach der Einweihung der Kirche lag die Versorgung der evangelischen Einwohner noch immer in der Hand des Erkrather Pfarrers. Erst im Jahr 1924 wurde in Hochdahl eine Hilfspredigersteile eingerichtet, nachdem es gelungen war, in der Nähe der Kirche ein Haus zu kaufen, in dem Dienstwohnungen für den Hilfsprediger und den Küster eingerichtet wurden. Der erste Hilfsprediger war Pastor A. Borgards. Seinem unermüdlichen Wirken ist es zu verdanken, daß sich sehr bald ein reges Gemeindeleben entwickelte, das folgerichtig zur Selbständigkeit führte. Am 13. Mai 1926, am Himmelfahrtstag, war die Gründungsfeier der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl, die mit einem großen Festprogramm durchgeführt wurde. Von nun an hatte Hochdahl ein eigenes Presbyterium und eine eigene Haushaltsführung, blieb aber pfarramtlich immer noch an die Muttergemeinde in Erkrath gebunden. Erst nach dem 2. Weltkrieg, im Juni 1946, wurde die pfarramtliche Bindung an Erkrath gelöst, und Pastor von Derschau war der erste Pfarrer auf eigener Pfarrstelle in Hochdahl, dem dann 1952 Pastor R. Berchem folgte. Rund vier Jahrzehnte sind von der Einweihung der Neanderkirche bis zur Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle vergangen. Während dieser Zeit haben neun Pfarrer bzw. Gemeindemissionare in Hochdahl ihr Amt ausgeübt. Mit Pfarrer Berchem nahmen dann nach und nach die kirchlichen Aktivitäten wieder zu, nachdem es während und kurz nach dem Krieg um die Gemeinde sehr ruhig geworden war. Als Pastor R. Berchem sich im Jahr 1982 zur Ruhe. setzte, übernahm Pastor T. Kleinert die Pfarrstelle, die dann im September 1989 von Pfarrer V. Horlitz übernommen wurde. Die stetig wachsende Zahl von Gemeindegliedern, bedingt durch die Erschließung und Bebauung Hochdahls, machte es in den darauffolgenden Jahren notwendig, weitere Häuser für gottesdienstliche Zwecke und gemeindliche Aktivitäten zu bauen.

Neanderkirche Zeichnung
Federzeichnung auf der Einladung zur Grundsteinlegung am 26. Juli 1903

Neanderkirche 1905
Die Neanderkirche kurz nach der Einweihung 1905. Der Friedhof ist noch nicht eingerichtet, die Allee-Bäume wurden gerade erst gepfanzt.

Architektur der Neanderkirche

Anmerkungen zur Architektur von Klaus Simon

Wer Kirche sagt, kann beides meinen: das Gebäude, in das die Menschen zum Gottesdienst gehen, und die Menschen, die eine Gemeinde bilden. So sollte das Jubiläum eines Kirchbaus auch Anlaß sein, nach dem Selbstverständnis der Gründergemeinde zu fragen, soweit es sich aus der Architektur erschließen läßt, und was dieses für uns heute möglicherweise bedeuten könnte. Als in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts nach dem Bau der Düsseldorf-Elberfelder Eisenbahn und der Entdeckung der Eisenerzlagerstätten in Hochdahl eine Phase der Industrialisierung einsetzte, entstanden dadurch zahlreiche Arbeitsplätze, bsw. in der Hochdahler Hütte, den Kalköfen, der Weberei Schlieper und der Ziegelei. So regte sich unter der anwachsenden evangelischen Bevölkerung Hochdahls und Millraths der Wunsch nach einer eigenen Kirche vor Ort.

Und was uns heute Bewunderung abverlangt, initiiert von 11 Gemeindegliedern -und nicht vom Presbyterium in Erkrath – nach der Stiftung des Grundstücks durch Kommerzienrat Adolf Boeddinghaus und der Gründung eines Bauvereins konnte das Gotteshaus am 23. Juli 1905 eingeweiht werden. Auf den ersten Blick teilt die Neanderkirche die Gestalt vieler um die Jahrhundertwende entstandener Bauten. Das rustizierte Mauerwerk aus dem Stein der heimischen Brüche wirkt so trutzig, wie die Denkmäler der wilhelminischen Ära oder ist wie der steingewordene Imperativ, ganz im Einklang mit den Inschriften der beiden Glocken „Wacht!“ und „Unbeweglich im Herrn!“. Aber bereits die für einen Kirchbau eher ungewöhnliche Dachform, ein sich kreuzendes Krüppelwalmdach, verweist auf ein anderes, für die Erbauer und uns heute wohl wesentlicheres Anliegen – dieser Ort bietet Schutz, Geborgenheit, Vertrautheit. Das bestätigt der Turm, der als einziges Bauelement aus dem streng symmetrischen Grundriß seitlich versetzt ausschert. Mit seiner geringen Höhe erzielt der gestufte Turmhelm kaum Fernwirkung, vermag er schon gar nicht zu repräsentieren.

Anders als manch eklektizistischer Gründerzeitbau, bei dem das Innere nicht hält, was die häufig reichverzierte Fassade verspricht, überrascht die Neanderkirche in Umkehrung dieses Prinzips mit ihren inneren Werten. Zwar wird die außen noch deutliche Gliederung in Längs- und Querhaus nicht aufgegriffen, denn das Mittelschiff geht unvermittelt in den Chor oder Altarraum über. Es finden sich auch all jene Stilformen, die dieser Epoche die eher abwertende Bezeichnung Historismus eingetragen haben: auf dem neuromanischen Tonnengewölbe ein fast barocker Deckenstuck, die zwei Säulen mit kanneliiertem Schaft und Knospenkapitell geben sich ganz klassizistisch – aber es gelang, diese die Bautradition selbst themä1isierenden Stilelemente zu einer überzeugenden Einheit zu führen und um Neues zu bereichern. Der Kämpferaufsatz (über den Säulen) zeigt in seinem Rosenornament bereits die Formsprache des Jugendstils in seiner strengen, abstrahierenden Variante. Am mutigsten drückte der Architekt Heinrich Plange aus Elberfeld diese Dynamik jedoch im Rundfenster der Westfassade aus. Keine in sich ruhende Rosette, sondern ein gespanntes Hufeisen auf horizontaler, innen verkürzter Basis krönt das ansonsten bescheidene „Gesicht“ der Kirche. Letztendlich erweist sich in dieser stilistischen Verbindung von erinnernden und erneuernden Momenten unsere Neanderkirche, die von gründerzeitlicher Autbruchstimmung zeugt, als ein vorbildlicher Bau – gerade heute, da wir im Presbyterium, genötigt durch rückläufige Kirchensteuereinnahmen, darüber nachdenken, ob es den Gemeindegliedem zuzumuten ist, durch eigenen tatkräftigen Einsatz zum Erhalt kirchlicher Einrichtungen beizutragen.

Anschrift
Neanderkirche
Neanderweg
40699 Erkrath
Küsterin: Petra Kantorski