An(ge)dacht

Aufrecht ins Leben gehen….

Lukas 13, 1-13
Und er lehrte in einer Synagoge am Sabbat. Und siehe, eine Frau war da, die hatte seit achtzehn Jahren einen Geist, der sie krank machte; und sie war verkrümmt und konnte sich nicht mehr aufrichten. Als aber Jesus sie sah, rief er sie zu sich und sprach zu ihr: Frau, sei frei von deiner Krankheit! Und legte die Hände auf sie; und sogleich richtete sie sich auf und pries Gott.

Stephanie Franz ist seit Februar Pfarrerin in der Kirchengemeinde Mettmann. Die gebürtige Ost-Westfälin wechselte von der Kirchengemeinde Birkenfeld, im Kirchenkreis Obere Nahe, in die Kreisstadt nach Mettmann. Davor betreute Sie die deutsche Gemeinde in Dar es Salaam, Tansania, und war dort für die Frauen- und Sonntagsschularbeit der Ost- und Küstendiözese der Lutherischen Kirche in Tansania zuständig. Stephanie Franz wird den Gottesdienst am 8. September in der Neanderkirche halten, dort können Sie sie auch persönlich kennen lernen.

Sie konnte sich nicht mehr daran erinnern, wann sie das letzte Mal aufrecht jemandem ins Gesicht hatte blicken können. Die Krankheit hatte sie seit langer Zeit so fest im Griff und ihr Rücken beugte sich immer mehr. Wollte sie einen Menschen ansehen, musste sie mühsam den Kopf nach oben zwingen. Sie wurde auch nicht mehr wahrgenommen, denn sie konnte sich nicht ins Blickfeld heben, ihre Stimme ging zu Boden, wenn sie etwas sagte.

Isoliert war sie, allein, zu Boden gedrückt, ohne dass sie bemerkt wurde von den Menschen um sie herum. Und dann ist da einer, der sie wahrnimmt, wie sie da sitzt in der Synagoge, den Rücken gekrümmt, den Blick zum Boden. Und er nimmt sie nicht nur wahr, sondern er spricht sie an und berührt sie und richtet sie auf. Sie kann wieder auf Augenhöhe mit Menschen in Kontakt treten, sie sieht ihre Umwelt wieder aus aufgerichteter Perspektive. In nur drei Versen verändert sich das Leben. Eine kurze Begegnung ruft sie heraus aus ihrem mühsamen Leben. Jesus hat sie gesehen und wahrgenommen und ihr eine neue Perspektive ermöglicht.

So wie dieser Frau ergeht es auch Menschen in unseren Städten und Dörfern, in unseren Gemeinden.

Niedergedrückt von Sorgen und Ängsten, verlassen, einsam gehen sie durch unsere Straßen, sitzen sie in unseren Gemeindehäusern, Altenheimen und Flüchtlingsunterkünften und warten darauf, dass jemand kommt und sie wahrnimmt. Dass jemand einfach nur da ist, ihnen mal zuhört, damit sie herausgerissen werden aus ihren Sorgen und Ängsten. Oft reicht schon ein kurzes Gespräch, damit sich ein Mensch aufgerichtet fühlt.

Es sind kleine Gesten und nur ein wenig Zeit nötig, um anderen so zu begegnen. Ein offenes Ohr, eine helfende Hand, ein freundlicher Gruß und ein wärmendes Lächeln und schon fühlen sich Menschen gestärkt.

Füreinander da sein, darauf kommt es an in einer Gesellschaft, die immer weiter vereinzelt. Wo nur noch die wahrgenommen werden, die am besten auf sich aufmerksam machen können. Füreinander da sein, das zeichnet uns als Christen und Christinnen aus. Dass wir da sind füreinander und für die, die nicht zu unseren Gruppen und Kreisen gehören, auch über die Gemeindegrenzen hinweg.
So ein Lächeln, ein gutes Wort geht nie hinein ins Leere, sondern es kommt vielfältig zurück und gibt auch uns neue Kraft, wenn wir mal aufgerichtet werden müssen. Probieren Sie es aus!

✏Stephanie Franz

Gedanken zur Jahreslosung 2019

Monatsspruch Mai

Foto: Lehmann Grafik: GEP
Foto: Lehmann Grafik: GEP

Es ist keiner wie du, und ist kein Gott außer dir.
2. Samuel 7,22

Die eigenen Grenzen erkennen
David hat hochfliegende Pläne. Er will für seinen Gott ein Haus bauen, wie es noch keiner gesehen hat. Und womöglich wünscht er sich, so auch selber Geschichte zu schreiben. Doch Davids kluger Berater Nathan sieht in einem Traum, dass diese Pläne zu groß sind. Ein anderer wird das Projekt fertig machen müssen. David erkennt das an und lobt Gottes Größe.

Hochfliegende Pläne: der Treibstoff des Lebens. Ich brenne für eine Idee oder bin begeistert von einem Projekt. Wie schön wäre es, etwas groß zu machen und mir selbst einen Namen. Aber dann kommt etwas dazwischen. Steine liegen im Weg. Ich komme an die Grenzen meiner Kraft. Und ich muss eingestehen: Was ich mir vorgenommen habe, ist zu groß für mich, ich schaffe es nicht. Vielleicht gehört das zu den schwierigsten Aufgaben des Lebens: die eigenen Grenzen erkennen, Pläne loslassen – und dann das erträumte Bild von mir deckungsgleich zu machen mit einem, das mich zeigt, wie ich bin. Das macht mich zunächst traurig. Aber – viel später – auch demütig und dankbar.

Denn es ist so befreiend, nicht mehr den Plänen hinterherjagen zu müssen, an denen ich mich nur verheben und scheitern kann. Es ist so erlösend, mir sagen zu lassen, dass ein anderer es fertig machen wird. Er, der ist wie sonst keiner, dessen Name weiter reicht als meine Kraft und mein Leben: Er fragt nicht nach dem, was ich vorzuweisen habe. Und schreibt meinen Namen doch groß in das Buch seines Lebens.
Tina Willms

Predigten

Einmal im Monat zeichnen wir einen Gottesdienst (CD-Gottesdienst) aus dem Gemeindehaus Sandheide auf, um ihn Gemeindegliedern zur Verfügung zu stellen, die nicht am Gottesdienst teilnehmen können. An dieser Stelle wollen wir in regelmäßigen Abständen eine Predigt im MP3 Format zum Download bereit stellen. Wer will, kann den Text der Predigt, soweit vorhanden, auch nachlesen.