Neanderkirche Hochdahl – Eckdaten
- Einweihung: 23. Juli 1905
- Initiator: Adolf Boeddinghaus (Textilfabrikant, Villa „Neanderhöhe“)
- Architekt: Regierungsbaumeister Heinrich Plange (Elberfeld)
- Kirchenbauverein gegründet: 7. Januar 1900
- Grundsteinlegung: 26. Juli 1903
- Baukosten: ca. 45.000 Mark
- Erste Glocken: gestiftet von Adolf Boeddinghaus, Gussstahlglocken des „Bochumer Vereins“, Töne fis und a
- Fenster: gestiftet von Familie Klees
- Name: zu Ehren des Predigers und Liederdichters Joachim Neander
- Erste elektrische Beleuchtung: 1915
- Innenumbau: 1954 (Empore, neues Farbkonzept, Ölfeuerung, elektrisches Läutewerk)
- Pfarrhaus: erbaut 1955
- Selbständige Kirchengemeinde: Gründung am 13. Mai 1926 (Himmelfahrtstag)
- Erster Pfarrer auf eigener Pfarrstelle: Pastor von Derschau (1946)
Die Geschichte der Neanderkirche
Federzeichnung auf der Einladung zur Grundsteinlegung am 26. Juli 1903.
Die Geschichte der Neanderkirche erzählt von Lothar Eulner
Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus
Bevor die Kirche am 23. Juli 1905 eingeweiht werden konnte, mussten die evangelischen Einwohner immer einen langen Fußmarsch nach Erkrath unternehmen, um dort an dem Gottesdienst teilnehmen zu können. Deshalb ist es auch sehr verständlich, dass die evangelische Bevölkerung schon lange den Wunsch nach einem eigenen Gotteshaus hatte. Aber erst im Jahre 1899 begann dieser Gedanke greifbare Formen anzunehmen. Herr Adolf Boeddinghaus, ein Textilfabrikant aus Elberfeld und ansässig in der Villa „Neanderhöhe“ am Feldhof, hatte sehr bald den Plan zum Bau einer eigenen Kirche in Hochdahl gefasst.
Gründung des Evangelischen Kirchenbau-Vereins
Am 13. Juli 1899 hatte er zehn angesehene und ortseingesessene Männer aus den Honschaften Millrath und Bruchhausen zu einer Versammlung eingeladen zwecks Gründung eines „Evangelischen Kirchenbau-Vereins“. Die Namen dieser zehn Männer waren: der Weinhändler Albert Bachmann, der Bahnhofsvorsteher Rudolf Becker, der Gastwirt Hermann Bünger, der Direktor der Hochdahler Eisenhütte Wilhelm Klees, der Postverwalter August Pohl, der Gutsbesitzer Karl Spiecker, der Kaufmann Gustav Steineshoff, der Ingenieur Adolf Wagner, der Gutsbesitzer Julius Wirtz und der Arzt und Forscher der Medizingeschichte Dr. Karl Sudhoff.
Bei dieser Versammlung unterrichtete er die Geladenen von dem Ankauf eines geeigneten Grundstückes und von der Absicht, dieses Grundstück der evangelischen Gemeinde zum Bau eines Gotteshauses zu schenken. Nach weiteren Beratungen konnten dann am 7. Januar 1900 die Gedanken in die Tat umgesetzt werden. Schon an diesem Gründungstag zählte man 53 Mitglieder, unter denen sich weitere vermögende Gönner und Freunde dieses Kirchbaugedankens befanden, die ein Anfangskapital von 8.000 Mark stifteten. Inzwischen war auch das Baugrundstück als Schenkung an den Verein übergegangen. Die Wahl des Standortes der neuen Kirche war nicht unumstritten, doch entschied der Kirchbauverein in seiner Sitzung am 26. Oktober 1902 mit 33 gegen 2 Stimmen, die Kirche auf dem gestifteten Grundstück zu errichten. Schon bald war die Mitgliederzahl auf 90 gestiegen.
Vorbereitungen, Grundsteinlegung und Einweihung
Durch Erhebung von Mitgliederbeiträgen, Verkauf von Sammelkarten und Weihnachtsverlosungen wurde bis zum 1. Januar 1903 ein Kapital von 11.212,95 Mark erreicht. Die Vorbereitungen zum Bau der Kirche konnten nun beginnen. Aus zahlreichen vorgelegten Plänen wählte man den des Regierungsbaumeisters Heinrich Plange aus Elberfeld, der auch die Boeddinghaus-Villa „Neanderhöhe“ gebaut hat. Doch dessen Plan übertraf die Vorstellungen des Kirchenbauvereins in Form und Größe, und man erkannte gleich, dass man die Kirche nur mit weitaus größeren Mitteln würde bauen können. Eine weitere Spende von Adolf Boeddinghaus ermöglichte es dann, mit dem Bau sofort zu beginnen.
Am 26. Juli 1903 war es dann soweit. Auf festlich geschmücktem Platz versammelten sich das Presbyterium, Vorstand und Mitglieder des „Evangelischen Kirchenbau-Vereins“ sowie Freunde und Gönner zur feierlichen Grundsteinlegung, die von Superintendent Bleier, Pfarrer der Gemeinde Erkrath, vorgenommen wurde. Fast genau zwei Jahre später, am 23. Juli 1905, folgte dann die Einweihung. Doch um die Kirche völlig auszugestalten, reichten die Mittel des Kirchenbauvereins wieder nicht aus, hatte doch die Fertigstellung der Kirche bisher schon 45.000 Mark gekostet.
Glocken, Fenster und Name der Neanderkirche
Abermals war es Herr Adolf Boeddinghaus, der durch eine größere Summe die endgültige Ausgestaltung ermöglichte und zusätzlich noch die beiden Glocken stiftete, die seit über 90 Jahren mit ihren Klängen in „fis“ und „a“ zum Gottesdienst rufen. Es sind einfache Gussstahlglocken des „Bochumer Vereins“, die aber beide Weltkriege überstanden haben. Die Inschrift auf der kleineren Glocke mit dem Wort „Wachet“ verweist auf den Vers 13 aus 1. Korinther 16, während die Inschrift „Unbeweglich im Herrn“ auf der größeren Glocke auf den Vers 58 aus 1. Korinther 15 verweist. Zusätzlich sind noch die Namen des Vorstandes vom Kirchenbauverein vermerkt, und zwar: Wilhelm Klees, Adolf Boeddinghaus, Karl Sudhoff, Max Klees, August Pohl, Gustav Overberg und Hermann Bünger.
Die Abendmahlsgeräte stiftete die Ehefrau von Adolf Boeddinghaus, Frau Mathilde geb. Wülfing. Die bunten Kirchenfenster waren ein Geschenk der Familie des Hüttendirektors Wilhelm Klees. Der Lichtschein durch die bunten Fenster brachte Leben in das schlichte Weiß und Grau der Innenwände. Auf Wunsch der Stifter und Gründer erhielt die Kirche den Namen „Neanderkirche“, zum Gedenken an den Prediger und Kirchenlieder-Dichter Joachim Neander. Zwischen jungem Grün ragte die Neanderkirche mit rotem Ziegeldach und grauem Kalkstein-Mauerwerk empor. Inzwischen haben sich die kleinen jungen Bäumchen im Hintergrund zu einem mächtigen Mischwald von Buchen und Eichen entwickelt.
Umbauten, Friedhof und Gemeindehaus
Auf dem Grundstück westlich vor der Kirche wurde im Jahre 1955 das neue Pfarrhaus gebaut, und zur gleichen Zeit erhielt das alte Gemeindehaus einen Anbau als Jugend- und Vereinsheim. An der Kirche selbst sind die ersten 50 Jahre auch nicht spurlos vorübergegangen. Äußere Schäden mussten behoben werden, Instandsetzungs- und Umbauarbeiten im Innern ergaben ein stark verändertes Erscheinungsbild. So erhielt die Kirche eine Empore, die etwa 50 Sitzplätze zusätzlich anbietet und auch die 1908 im Altarraum eingebaute Orgel aufgenommen hat. Hinter dem Altar steht jetzt ein hohes, einfaches Holzkreuz.
Die gewölbte Decke im Altarraum war bis 1954 als bläulicher Himmel mit goldfarbigen Sternen dargestellt, der als Abschluss eine jugendstilhafte Ornamentik trug. Das gesamte Kircheninnere, Decken und Wände wurden in einem Elfenbeinton gestrichen; der ursprüngliche große Kronleuchter durch neue Beleuchtungskörper ersetzt. Dabei ist noch zu vermerken, dass die erste elektrische Beleuchtung erst zehn Jahre nach der Einweihung installiert wurde. Die Warmluftheizung von 1927 wurde ebenfalls im Zuge der Umbau- und Renovierungsmaßnahmen durch eine vollautomatische Ölfeuerung ersetzt. Eine große Erleichterung brachte zur gleichen Zeit die Mechanisierung des Läutewerks.
Auch der 1922 eingerichtete evangelische Friedhof gleich hinter der Kirche hat inzwischen andere Formen angenommen. Während er anfangs nur bis zu dem Gedenkstein reichte, hat er durch den Anschluss der städtischen Grabfelder seine Ausmaße mehr als verdreifacht. Gepflegt wird er von dem Friedhofsgärtnermeister Volker Kuhleber, dessen Familie auch schon in der zweiten Generation das Küsteramt ausübt.
Auf dem Weg zur selbständigen Kirchengemeinde
Mit der Errichtung einer eigenen Kirche hatten die evangelischen Bürger von Hochdahl, Millrath und Bruchhausen aber noch keine eigene Kirchengemeinde. Zwei Jahrzehnte nach der Einweihung der Kirche lag die Versorgung der evangelischen Einwohner noch immer in der Hand des Erkrather Pfarrers. Erst im Jahr 1924 wurde in Hochdahl eine Hilfspredigerstelle eingerichtet, nachdem es gelungen war, in der Nähe der Kirche ein Haus zu kaufen, in dem Dienstwohnungen für den Hilfsprediger und den Küster eingerichtet wurden. Der erste Hilfsprediger war Pastor A. Borgards. Seinem unermüdlichen Wirken ist es zu verdanken, dass sich sehr bald ein reges Gemeindeleben entwickelte, das folgerichtig zur Selbständigkeit führte.
Am 13. Mai 1926, am Himmelfahrtstag, war die Gründungsfeier der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl, die mit einem großen Festprogramm durchgeführt wurde. Von nun an hatte Hochdahl ein eigenes Presbyterium und eine eigene Haushaltsführung, blieb aber pfarramtlich immer noch an die Muttergemeinde in Erkrath gebunden. Erst nach dem 2. Weltkrieg, im Juni 1946, wurde die pfarramtliche Bindung an Erkrath gelöst, und Pastor von Derschau war der erste Pfarrer auf eigener Pfarrstelle in Hochdahl, dem dann 1952 Pastor R. Berchem folgte.
Rund vier Jahrzehnte sind von der Einweihung der Neanderkirche bis zur Einrichtung einer eigenen Pfarrstelle vergangen. Während dieser Zeit haben neun Pfarrer bzw. Gemeindemissionare in Hochdahl ihr Amt ausgeübt. Mit Pfarrer Berchem nahmen dann nach und nach die kirchlichen Aktivitäten wieder zu, nachdem es während und kurz nach dem Krieg um die Gemeinde sehr ruhig geworden war. Als Pastor R. Berchem sich im Jahr 1982 zur Ruhe setzte, übernahm Pastor T. Kleinert die Pfarrstelle, die dann im September 1989 von Pfarrer Volker Horlitz übernommen wurde. Die stetig wachsende Zahl von Gemeindegliedern, bedingt durch die Erschließung und Bebauung Hochdahls, machte es in den darauffolgenden Jahren notwendig, weitere Häuser für gottesdienstliche Zwecke und gemeindliche Aktivitäten zu bauen.
Innenausbau 1954
Innenansicht vor dem Umbau.
Altarraum nach dem Umbau.
Historische Außenaufnahme
Neanderkirche 1905. Die Neanderkirche kurz nach der Einweihung 1905. Der Friedhof ist noch nicht eingerichtet, die Allee-Bäume wurden gerade erst gepflanzt.
