Seelsorge für Einsatzkräfte: Reingehen, wo andere rausrennen

Einsatzkräfte helfen, wenn andere Menschen in Not geraten. Doch wer hilft denen, die das Erlebte mit zurück auf die Wache oder sogar mit nach Hause nehmen? Pastor André Carouge ist Feuerwehrseelsorger und Koordinator der Ökumenischen Notfallseelsorge im Kreis Mettmann. Er beschreibt, warum auch Helfer Begleitung brauchen.

Pastor André Carouge, Feuerwehrseelsorger und Koordinator der Ökumenischen Notfallseelsorge im Kreis Mettmann
Pastor André Carouge ist Feuerwehrseelsorger und Koordinator der Ökumenischen Notfallseelsorge im Kreis Mettmann.

Wenn Not ist, kommt jemand

Wenn Feuerwehr, Rettungsdienst oder Polizei gerufen werden, sind sie da. Für uns sind sie immer nur drei Ziffern entfernt, sei es die 112 oder die 110. Wir verlassen uns darauf, dass jemand kommt, wenn Menschen Hilfe brauchen.

Doch was macht es mit denen, die beruflich oder ehrenamtlich immer wieder in die Not anderer Menschen hineingehen, handeln und funktionieren müssen?

Einsatzkräfte sind Menschen. Auch sie nehmen Eindrücke aus Einsätzen mit. Besonders belastend kann es werden, wenn sie die Betroffenen kennen, wenn Kinder beteiligt sind oder wenn Kollegen und Kameraden verletzt werden.

Seelsorge für Einsatzkräfte

Für Einsatzkräfte gibt es speziell geschulte Seelsorger. Dazu gehören Polizeiseelsorger sowie haupt- und ehrenamtliche Feuerwehrseelsorger.

In den vergangenen Jahren hat sich bei Polizei und Feuerwehr außerdem das System der Psychosozialen Unterstützung, kurz PSU, etabliert.

Notfallseelsorge begleitet Betroffene, Angehörige, Ersthelfer und Augenzeugen. PSU richtet sich an Einsatzkräfte und ihr familiäres Umfeld.

Es handelt sich um zwei unterschiedliche Hilfssysteme mit jeweils eigenen Ausbildungen. Bei einzelnen Personen können beide Aufgabenbereiche zusammenkommen.

Peers kennen den Einsatzalltag

Die Psychosoziale Unterstützung wird von sogenannten Peers und psychosozialen Fachkräften getragen.

Peers sind selbst Teil der jeweiligen Organisation, zum Beispiel Feuerwehrleute oder Angehörige des Rettungsdienstes. Sie kennen deshalb den Einsatzalltag aus eigener Erfahrung.

Psychosoziale Fachkräfte gehören ebenfalls zur Organisation, bringen aber zusätzlich ein Hochschulstudium in einem entsprechenden Fachgebiet mit, zum Beispiel in Theologie oder Psychologie.

Auch Feuerwehrseelsorger gehören zu diesem System.

Begleitung vor, während und nach Einsätzen

André Carouge ist seit vielen Jahren Feuerwehrseelsorger. Seine Arbeit beginnt nicht erst dann, wenn ein besonders belastender Einsatz stattgefunden hat.

Feuerwehrseelsorger begleiten Einsatzkräfte vor, während und nach Einsätzen. Dazu gehört auch die Unterstützung bei der Grundausbildung und bei der Vorbereitung auf belastende Situationen, etwa im Wachunterricht oder bei Übungsabenden.

Regelmäßige Besuche auf den Wachen sind ebenfalls ein wichtiger Bestandteil der Arbeit. Auch Schichtbegleitungen helfen dabei, die Menschen und ihren Arbeitsalltag kennenzulernen.

Gespräche zwischen Tür und Angel

Nicht jedes seelsorgliche Gespräch findet in einem dafür vorgesehenen Raum statt. Oft entstehen Gespräche ganz nebenbei.

Auf dem Flur der Wache, in der Küche bei einer Tasse Kaffee oder in einem persönlichen Gespräch kommen Fragen, Sorgen und Schwierigkeiten zur Sprache.

Der Feuerwehrseelsorger ist jederzeit niederschwellig ansprechbar und zur Verschwiegenheit verpflichtet.

Manchmal vermittelt er auch zwischen Mannschaft und Vorgesetzten oder berät die Leitung einer Feuerwehr. Darüber hinaus begleitet er Einsatzkräfte auch bei persönlichen Lebensereignissen, etwa bei Taufen, Eheschließungen oder Beerdigungen.

Auch Helfern wird geholfen

Die seelsorgliche Begleitung vermittelt Einsatzkräften eine wichtige Botschaft: Sie werden nicht nur als Arbeitskraft gesehen, sondern als Menschen.

Sie dürfen Belastungen benennen und Schwächen zulassen. Sie müssen mit dem, was sie erleben, nicht allein bleiben.

„Auch uns Helfern wird geholfen.“

Für André Carouge bringt ein Satz die Bedeutung der Feuerwehrseelsorge besonders gut auf den Punkt:

„Der Einsatz ist immer erst dann beendet, wenn auch der Helfer versorgt ist.“

PSU kurz erklärt

PSU steht für Psychosoziale Unterstützung. Sie richtet sich an Einsatzkräfte und ihr familiäres Umfeld.

Notfallseelsorge hilft Betroffenen. PSU unterstützt Einsatzkräfte.

Seelsorge und weitere Hilfen

Sie suchen selbst ein seelsorgliches Gespräch?
Informationen zur Seelsorge in unserer Kirchengemeinde, zu Ansprechpartnern und weiteren Hilfsangeboten finden Sie auf unserer Seite Lebensbegleitung und Seelsorge.

Den vollständigen Beitrag lesen Sie in unserem Gemeindegruß Herbst 2026.
Zum Gemeindegruß Herbst 2026

Text: Pastor André Carouge, Koordinator der Ökumenischen Notfallseelsorge im Kreis Mettmann, Hauptbrandmeister und Feuerwehrseelsorger.

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