Krankenhausseelsorge: Einfach da sein, wenn Menschen Begleitung brauchen

„Ich bin einfach da.“ Jan Löttgen begleitet ehrenamtlich Menschen im Evangelischen Krankenhaus Mettmann. Er hört zu, spricht mit ihnen, betet mit ihnen oder hält gemeinsam mit ihnen das Schweigen aus. Im Gespräch erzählt er, warum er sich im Ruhestand zum Krankenhausseelsorger ausbilden ließ und was ihm diese Aufgabe bedeutet.

Jan Löttgen in der Krankenhauskapelle
Jan Löttgen engagiert sich ehrenamtlich in der Krankenhausseelsorge.

Vom Arzt zum Krankenhausseelsorger

Eigentlich ist Jan Löttgen im Ruhestand. Nach dem Ende seiner Berufstätigkeit als Arzt suchte er nach einer ehrenamtlichen Aufgabe, die zu ihm passt und bei der er seine Zeit flexibel einsetzen kann.

Er dachte zunächst an die Grünen Damen und Herren oder an die Bahnhofsmission. Den entscheidenden Anstoß gab schließlich eine Veranstaltung des ökumenischen Bildungswerks Hochdahl zum Thema ehrenamtliche Krankenhausseelsorge.

„Als Arzt habe ich keine Schwellenangst, in ein Krankenhaus zu gehen.“

Nach dem Vortrag nahm Jan Kontakt zur Referentin auf und entschied sich für eine einjährige Ausbildung zum Krankenhausseelsorger.

Eine Ausbildung mit viel Praxis

Die Ausbildung bestand aus mehreren Modulen. Nach einem ersten Teil zur eigenen Motivation folgten Themen wie kommunikative, ethische, geistliche und persönliche Kompetenz. Im Hauptmodul stand schließlich die Krankenhausseelsorge selbst im Mittelpunkt.

Dabei wurden erste Erfahrungen aus dem Krankenhaus mit dem während der Ausbildung Gelernten verbunden. Ein wichtiger Bestandteil war außerdem die Supervision. Sie begleitet Jan auch heute noch bei seiner Arbeit.

Schon vor Abschluss der Ausbildung suchte er ein Krankenhaus, in dem er praktische Erfahrungen sammeln konnte. Seine Wahl fiel auf das Evangelische Krankenhaus Mettmann. Dort arbeitet bereits eine Pfarrerin in Teilzeit in der Krankenhausseelsorge.

„Allein kann man diese Aufgabe in einem so großen Krankenhaus nicht bewältigen“, sagt Jan. Schon während seiner letzten Berufsjahre nutzte er freie Tage, um erste Besuche zu machen.

Zeit haben und zuhören

Mittwochs und freitags ist Jan im Evangelischen Krankenhaus Mettmann unterwegs. Eine Liste zeigt ihm, welche Menschen einen seelsorglichen Besuch wünschen. Zusätzlich spricht er mit den Verantwortlichen auf den Stationen darüber, wer ein Gespräch gebrauchen könnte.

Wie ein Besuch verläuft, entscheidet sich erst im Zimmer.

„Ich erkläre den Patienten, dass ich Zeit zum Zuhören oder Mitreden habe oder um einfach nur schweigend da zu sein.“

Dabei hört Jan viele Lebensgeschichten. Nicht jedes Gespräch müsse einen tief seelsorglichen Charakter haben. Auch ein ganz normales Gespräch könne einem Menschen helfen.

Wenn Zuhören etwas verändert

Einmal begegnete Jan einem Mann, der voller Angst auf eine Untersuchung wartete. Nachdem beide eine Weile miteinander gesprochen hatten, legte sich die Angst. Später besuchte Jan ihn auf einer anderen Station erneut und erlebte, wie der Mann neuen Lebensmut gefunden hatte.

Eine andere Begegnung ist ihm ebenfalls besonders im Gedächtnis geblieben. Ein Patient überlegte sehr genau, was er von seiner Familie erzählen wollte. Nach einer guten Stunde verabschiedeten sie sich voneinander.

„Er betonte, so viel Zeit hätte sich noch nie jemand genommen und so viel hätte er noch nie von sich erzählt. Da wurde mir wieder bewusst, wie wichtig das Zuhören ist.“

Manchmal braucht es keine Worte

Nicht immer entsteht ein Gespräch. Einmal kam Jan zu einem Patienten, dem es sehr schlecht ging. Der Mann schlief. Jan blieb bei ihm und betete still. Ins Gespräch kam er anschließend mit einem Mitpatienten, der ihn dabei beobachtet hatte.

Auch Gebete können Teil seiner Arbeit sein. Einen Patienten besuchte Jan dreimal. Der Mann hatte starke Schmerzen und fragte immer wieder, warum Gott ihn nicht erlöse und warum er so weiterleben müsse.

Jan betete mit ihm und erlebte, dass der Mann ruhiger wurde.

„Im Rückblick wurde mir klar, dass ich in einem schwierigen Moment ein Mensch an seiner Seite gewesen war.“

„Ich bin einfach da“

Für Jan beschreibt dieser Satz den Kern seiner Arbeit besonders gut.

„Ich bin einfach da. Wenn es für beide Seiten passt, kann auch ein gemeinsames Gebet dazugehören. Und dass das in der Not Halt und Ruhe gibt, ist schön zu erleben, auch für mich persönlich.“

Die Begegnungen geben ihm selbst viel. Er lernt interessante Menschen kennen und hat häufig das Gefühl, jemandem geholfen zu haben. Gleichzeitig gehört es zu seiner Aufgabe, Leid auszuhalten.

„Manchmal ist es schwer auszuhalten, das Leid zu sehen. Andererseits gibt es Kraft zu erleben, wie manche Menschen mit ihrem Leiden umgehen und einen großen Lebenswillen entwickeln.“

Gut zu wissen

Wer während eines Krankenhausaufenthalts einen seelsorglichen Besuch möchte, sollte diesen Wunsch möglichst bereits bei der Aufnahme angeben. Krankenhausseelsorge bedeutet nicht, jemanden missionieren zu wollen. Sie bietet Zeit, Aufmerksamkeit und ein offenes Ohr.

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Das vollständige Interview lesen Sie in unserem Gemeindegruß Herbst 2026.
Zum Gemeindegruß Herbst 2026

Das Gespräch mit Jan Löttgen führte Dorothea Pfeifer.

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