Geschichte der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl
Paul Schneider – Namensgeber unseres Hauses
Der „Prediger von Buchenwald“ (1897–1939)
Paul Schneider ist Namensgeber unseres Paul-Schneider-Hauses in Hochdahl. Sein Weg als Pfarrer und sein Widerstand gegen das NS-Regime haben viele Menschen bewegt.
„Der Schutzhäftling Paul Schneider ... öffnete sein Zellenfenster und predigte laut zu den angetretenen Häftlingen … Erst Gewalt beendete seine Worte.“
Frühe Jahre, Krieg und Studium
Paul Schneider wurde 1897 im Hunsrück geboren. 1910 zog die Familie in den Kreis Wetzlar, wo sein Vater Pfarrer wurde.
Mit 17 meldete er sich freiwillig zum Kriegsdienst. Nach dem Krieg studierte er Theologie und wurde 1926 Pfarrer in Hochelheim.
Distanz zum Nationalsozialismus und erste Verfolgung
Nach der Machtergreifung warnte Schneider früh vor der Gleichschaltung und der politischen Vereinnahmung der Kirche. Für ihn blieb klar: Die Kirche folgt Christus, nicht einer Ideologie. Diese Haltung machte ihn für viele zu einem Mutmacher.
1934 widersprach er öffentlich den „Deutschen Christen“. Er sprach von Verblendung, Machtmissbrauch und dem Verlust der Menschlichkeit. Die NSDAP sah ihn als Gefahr.
Trotz Gestapo-Verhören blieb er standhaft. 1937 wurde er in „Schutzhaft“ genommen, zunächst nach Koblenz, dann auf persönlichen Befehl Hitlers ins KZ Buchenwald.
Dort verweigerte er den Hitlergruß. Für ihn war es eine Gewissensfrage. Die Lagerleitung wertete das als Widerstand und brachte ihn in den Arrestbunker.
Der „Prediger von Buchenwald“
Der Arrestbunker war ein Ort besonderer Härte. Einzelhaft und Misshandlungen sollten den Willen der Gefangenen brechen. Auch Paul Schneider erlebte diese Brutalität.
Dennoch suchte er Wege, anderen Häftlingen Trost zu geben. Er rief Bibelworte durch das Zellenfenster und erinnerte daran, dass Gott die Menschen nicht vergessen hat. Besonders an Sonn- und Feiertagen wurde seine Stimme zu einem Lichtstrahl im Dunkel.
Am Ostermorgen 1939 predigte er laut die Botschaft der Auferstehung, während Tausende zum Appell angetreten waren. Daraufhin wurde er schwer misshandelt.
„Kameraden hört mich. Hier spricht Pfarrer Paul Schneider. Hier wird gefoltert und gemordet. So spricht der Herr: Ich bin die Auferstehung und das Leben.“
Seine unbeugsame Haltung machte ihn zum „Prediger von Buchenwald“ – ein Zeugnis, das viele bis heute bewegt.
Tod im Konzentrationslager und Beerdigung
Im Sommer 1939 war Schneider körperlich gebrochen. Er wurde in der Krankenstation durch Strophantinspritzen getötet. Seine Frau Margarete überführte den Leichnam nach Dickenschied.
Viele Menschen nahmen an der Beerdigung teil. Das öffentliche Begräbnis führte sogar zu Kritik an der Geheimen Staatspolizei.
Würdigung als Märtyrer
Im Jahr 2000 würdigte Papst Johannes Paul II. Paul Schneider als evangelischen Blutzeugen des 20. Jahrhunderts. In der Kirche San Bartolomeo in Rom wird seiner bis heute gedacht.
Die Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft
1997 wurde in Weimar die Pfarrer-Paul-Schneider-Gesellschaft gegründet. Sie erinnert an das Vermächtnis des Predigers von Buchenwald.
