Eine Art Tagebuch VIII

Notizen, Gedankensplitter, Begegnungen und Ermutigungen aus nun mehr 2 Monaten Ausnahmezustand

Mitte/Ende Mai (Ende der Aufzeichnungen):

Schon eine Weile gilt die Maskenpflicht für Geschäfte und im ÖPNV. Auch beim Frisör musste ich Maske tragen. Es gibt wirklich schicke Modelle und verschiedene Schnittmuster. Mancher Stoffrest wird upgecyclet. Für meine erste Maske Marke Eigenbau verwende ich zwei „reformierte“ Beffchen (also die geschlossene Form), die 30 Jahre lang ungenutzt im Kleiderschrank lagerten, denn natürlich tragen wir nur die unierte Form (halb offen). Die Form ist perfekt, Bändel sind auch schon dran, ich musste nur die beiden Beffchen übereinander nähen, fertig war der Mundschutz. Nur der Stoff ist etwas rau. Aber da unsere Nachbarin etwas gefälligere Modelle genäht hat, bin ich gut versorgt.

Manchmal ist es jetzt mit den Masken nicht so leicht sein gegenüber zu erkennen, aber es heißt ja: In der Coronakrise lernt man sich selbst und andere besser kennen, kommen die Wesenszüge deutlich zum Vorschein.

Bei meiner Mutter auf jeden Fall die (groß-)mütterliche Sorge. Ich habe immer noch strengstes Bahnfahrverbot. Bei meinem Vater stoische Gelassenheit und manchmal sogar Gefallen an der Kontaktsperre. Bei meinem Bruder fürsorgliche Zufriedenheit, er nutzt die Kurzarbeit um öfter nach unseren Eltern zu sehen. Bei mir selbst ein Schwanken zwischen sorgenvollem Gedankenkarussell und verhaltener Vorfreude auf kleinere Unternehmungen und Urlaub, der wieder geht: Bei uns Usedom statt Sizilien, bei Bekannten Amrum statt Andalusien.

Und ich staune kurz vor Pfingsten darüber, was in den Kirchengemeinden alles wieder geht und mit wie viel Engagement die Präsenzgottesdienste organisiert werden. Für die Zukunft unserer Kirche können wir sehr hoffnungsvoll sein.
Einen schönen Geburtstag der Kirche wünscht Ihnen
Ihre Pastorin Lieselotte Rönsch

 

PS: In diesem Jahr können wir zwar nicht schmettern wie gewohnt, aber in Gedanken mitsingen:
Oh, komm du Geist der Wahrheit
Und kehre bei uns ein
Verbreite Licht und Klarheit
Verbanne Trug und Schein
Gieß aus dein heilig Feuer rühr’ Herz und Lippen an
Dass jeglicher Getreuer den Herrn bekennen kann