Kirchenasyl

Afghanische Flüchtlingsfamilie im Kirchenasyl in Hochdahl

Das Kirchenasyl einer afghanischen Flüchtlingsfamilie in Erkrath ist am 20. Februar 2009 erfolgreich zu Ende gegangen. Die Eltern und ihre drei Kinder hatten seit dem 25. Januar bei der Evangelischen Kirchengemeinde Hochdahl Schutz gesucht, da sie eine Abschiebung nach Italien befürchten mussten.

Durch den „Selbsteintritt“ (Dublin II Verordnung) der Bundesrepublik kann nun jedoch das Asylverfahren für die Familie in Deutschland beginnen. Der Erkrather Rechtsanwalt Peter Knitsch hat dies durch seine Intervention beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge in Nürnberg erreichen können.

Die fünfköpfige Familie war vor einem halben Jahr aus Afghanistan geflohen, wo die 34-jährige Mutter und ihre Tochter von den Taliban schwer misshandelt worden waren. Der Mutter, einer Schauspielerin, hatten die Taliban den Arm gebrochen, sie mit Benzin übergossen und angezündet, da sie in „westlicher“ Kleidung in einem Film aufgetreten war. Auf ihrem Weg durch Europa waren die Flüchtlinge zunächst bei einem Zwischenstopp in Italien von der dortigen Polizei erkennungsdienstlich behandelt worden, bevor sie nach Deutschland weiterreisen konnten. Damit wäre zunächst Italien für das Asylverfahren zuständig.

Nach Aussage mehrerer ärztlicher und psychologischer Gutachten ist die Familie jedoch nicht in der Lage, nach Italien zurückzureisen. Durch die Strapazen der Flucht und der vorher erlittenen Torturen seien insbesondere Mutter und Tochter in einem so schlechten seelischen wie körperlichen Zustand, dass bei einer möglichen Abschiebung nach Rom akute Selbstmordgefahr bestünde.

Während der vier Wochen Kirchenasyl in Räumlichkeiten der Kirchengemeinde ist die afghanische Familie von einem Unterstützerkreis aus Hochdahl intensiv betreut worden. Zu den Unterstützern gehören außer den Mitgliedern der Kirchengemeinde Hochdahl auch der Freundeskreis Flüchtlinge Hochdahl mit Erika Koch, Irmtrud Piegeler und Gitta Wolfseher, das Gymnasium Hochdahl mit Schulleiter Dieter Smolka und Rechtsanwalt Peter Knitsch.

„Wir sind über die positive Wendung der Angelegenheit erleichtert und freuen uns, dass wir der Familie haben helfen können“, so Volker Horlitz, Pfarrer der Kirchengemeinde Hochdahl. Dieter Smolka, Leiter des Gymnasiums Hochdahl freut sich: „Auch für die Kinder ist dies ein tolles Ergebnis. Die Integration wird verstärkt durch die Weiterführung der intensiven Deutschkurse und durch die schulische Bildung“. Rechtsanwalt Peter Knitsch hofft auf einen positiven Ausgang des Asylverfahrens: “Die insbesondere gegenüber Mari und Sonya Sharifi aufgrund ihres Geschlechts und ihrer pro-westlichen Einstellung in Afghanistan verübten Gewalttaten sind so massiv, dass ich auch für das nun folgende Anerkennungsverfahren als Flüchtlinge sehr gute Chancen für die Familie sehe“.

Wie geht es nun weiter?
Nachdem Deutschland von seinem Selbsteintrittsrecht nach Art.3 Abs.2 der Dublin II Verordnung Gebrauch gemacht hat, findet nun das eigentliche Asylverfahren statt. In diesem Verfahren wird geprüft, ob die Voraussetzungen des Art. 16a Grundgesetz bzw. § 60 Abs.1 Aufenthaltsgesetz (Gefahr für Leben oder Freiheit wegen der Rasse, Religion, Staatsangehörigkeit, der Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen der politischen Überzeugung bei Rückkehr in den Verfolgerstaat) bei Familie Sharifi/Yusufi vorliegen. Während des Verfahrens erhält die Familie gemäß § 55 Asylverfahrensgesetz eine Aufenthaltsgestattung, hält sich also rechtmäßig in Deutschland auf.